11.000 Unterschriftenlisten und Faltblätter liegen heute der Marler Zeitung bei. Damit verstärkt der Radentscheid Marl seine kontaktlose Unterschriftensammlung, weil in Zeiten von Corona nicht mit Klemmbrett und Kugelschreiber von Mensch zu Mensch gesammelt werden kann. Das Ziel: 4160 Unterschriften – gesammelt virtuell oder zumindest kontaktlos nach RKI-Standard. Das ist das erste Bürgerbegehren Deutschlands, das unter schwierigsten Bedingungen für Unterschriftensammlungen dem Covid-Virus, das Bürgerbegehren gerade lähmt, durch Kreativität und verschiedene Experimente neue demokratische Spielräume für sich entdeckt hat.

Initiative „Radentscheid Marl“ braucht Unterstützung 

Wegen der Coronapandemie können Initiativen gerade nicht wie sonst mit Klemmbrett und Stift auf Unterschriftenfang gehen. Das stellt viele Bürgerbegehren vor große Probleme.  Trotzdem hat der Radler-Stammtisch Marl vor zwei Wochen das demokratische Experiment gestartet: Als bisher erstes Bürgerbegehren in Deutschland versucht er nun auf digitalem und kontaktlosem Weg an die 4160 erforderlichen Unterschriften zu kommen – nach den Vorgaben von Robert-Koch-Instituts.

Das gab es bisher noch nicht –  und viele schrecken auch davor zurück, weil es sehr schwierig ist, sagt Heinz Borgmann vom Radentscheid-Team: „Anders als bei einer Briefwahl, bekommen die Marler eben nicht automatisch ihre Unterlagen mit einem beigefügten portofreien Rückumschlag ins Haus geschickt. Viele Bürger scheuen, dass sie erst auf unsere Internetseite gehen, dann die Unterschriftenliste runterladen, ausdrucken, ausfüllen und dann auch noch an uns zurückzugeben müssen. Manche, die unterschreiben wollen, haben gar keinen Drucker. „

Diese fünf Schritte stellen für viele Marler offenbar eine Hürde dar. Viele erwarteten eine Unterschriftenliste in Papierform und wünschen sich eine persönliche Ansprache.  

Ab heute: Unterschriftenliste als Zeitungsbeilage in der MZ

Das gibt es seit heute. Denn die Initiative „Radentscheid Marl“ hat – wie sonst Baumärkte oder Discounter – eine Zeitungsbeilage in der Marler Zeitung finanziert. 11.000 Unterschriftenlisten liegen der heutigen Ausgabe bei. Eva Lück von der Initiative hofft, dass möglichst viele diese Chance für Marl auch nutzen. „Damit wird die Hürde natürlich kleiner, denn jede Leserin, jeder Leser kann jetzt sofort mit der eigenen Unterschrift ganz einfach für eine fahrradfreundliche Stadt unterschreiben. Aber das gelingt nur, wenn auch wirklich alle mitmachen.“ 

4160 gültige Unterschriften von wahlberechtigten Marlern braucht die Initiative, damit die Stadt Marl zu einer fußgänger- und fahrradfreundlichen Stadt umgebaut werden kann. Dass das erforderlich ist, zeige gerade angesichts von Corona der steigende Bedarf an sicheren und ausreichend breiten Radwegen, sagt Philipp Erwig vom Radentscheid-Team: „Immer mehr Menschen sind aktuell zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs, weil die Gefahr der Ansteckung geringer ist. Das ist einerseits gut, aber andererseits führen Bettelampeln und zu kurze Grünphasen und zu enge Radwege zu ungewollten Gruppenkontakten, die ja gerade vermieden werden sollen.“ 

Chance auf Fördermittel für finanzschwache Städte wie Marl


Dem Radentscheid Marl zeigt das: Das Radwegenetz ist in den vergangenen Jahrzehnten nicht auf den aktuellen Stand gebracht worden, sagt Ludger Vortmann: „Wer jetzt unterschreibt, kann das ändern, denn es gibt viele Fördermittelprogramme von Bund und Land und sogar für finanzschwache Städte wie Marl.“

Besonders stolz ist das Team vom Radentscheid Marl auf die starke Unterstützung aus der Wirtschaft. Neben der Volksbank Marl und der Sparkasse Vest setzt sich mit EVONIK der größte Arbeitgeber der Region für mehr, besseren und vor allem sicheren Radverkehr in unserer Stadt Marl ein. Mögliches Zitat EVONIK/Chemiepark Marl „Wir unterstützen den Radentscheid Marl, …“

 
9 Ziele in 8 Jahren

Die von der Initiative geforderten neun Ziele umfassen ein durchgängiges und engmaschiges Radwegenetz, das Menschen aller Altersgruppen ein komfortables und vor allem sicheres Radfahren in unserer Stadt ermöglicht. Dazu zählen Fahrradstraßen vor Schulen, einheitlich gestaltete und getrennte Geh- und Radwege, sichere Kreuzungen, 1.000 zusätzliche Fahrradabstellplätze und eine Bürgerbeteiligung an der künftigen Verkehrsplanung.

Katrin Mrozek vom Förderverein Klara Hospiz e.V., Lastenrad MarLore und Stefan Koch vom Radentscheid Marl. Foto: Radentscheid Marl / Michael Marquardt

Das Team vom Radentscheid Marl unterstützt in der Coronazeit auch Projekte wie das Klara-Hospiz.  Die vom Förderverein genähten 2.100 Masken werden von Katrin Mrozek an Stefan Koch übergeben, der sie per Lastenrad MarLore im Stadtgebiet an Arztpraxen, Seniorenheime und Privatpersonen ausliefert.

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